Der „Dritte Kinderregenwald“

Projektgebiet:

Der „Internationale Brücke der Kinder“ befindet sich im Nordwesten von Costa Rica. Der „Dritte Kinderregenwald“ verbindet die artenreichen Flachlandtrockenwälder der Nationalparks „Santa Rosa“ und „Guanacaste“ mit den Bergregenwäldern des Nationalparks „Rincón de la Vieja“ durch einen Waldkorridor. Die „Internationale Brücke der Kinder“ ist Teilgebiet des mit 163.000 Hektar zweitgrößten Schutzgebietssystems in Costa Rica, dem „Área de Conservación Guanacaste (ACG)“, welches im Dezember 1999 zum UNESCO-Weltnaturerbe ernannt wurde. Das ACG bietet den dort lebenden 350.000 Tierarten einen gesicherten Lebensraum – das sind etwa 65% aller in Costa Rica vorkommenden Arten und mehr als in Amerika und Kanada zusammengenommen.

Tropische Regenwälder nehmen nur etwa 4% der mit Land bedeckten Erdoberfläche ein. Dennoch leben dort 40–60% aller Tier- und Pflanzenarten.

Der Nationalpark „Santa Rosa“ im Westen des ACG besitzt eine Fläche von 50.000 Hektar und umfasst das größte Trockenwaldgebiet Mittelamerikas, verschiedene Küsten- und Mangrovengebiete und Savannen. Mit eingeschlossen sind mehrere ehemals landwirtschaftlich genutzte Flächen, die derzeit der Regeneration überlassen sind oder teilweise wieder aufgeforstet werden. An den steilen Hängen der Vulkane Orosí und Cacao befindet sich der 34.000 Hektar große Nationalpark „Guanacaste“ mit seinen Regen- und Nebelwäldern. Etwa 5 km von der Südostgrenze des „Guanacaste“-Reservats entfernt liegt der Nationalpark „Rincón de la Vieja“ mit einer Waldfläche von 14.200 Hektar, die bis auf eine Höhe von 2.000 m an den noch aktiven Vulkan Rincón heranreicht.

Entstehungsgeschichte:

Prof. Dan Janzen aus Pennsylvania (USA), wissenschaftlicher Berater der ACG, entwickelte in den frühen 90er Jahren die Idee, die drei bestehenden Nationalparks mit einem biologischen Korridor zu verbinden. Angesichts der sich damals schon abzeichnenden globalen Erwärmung würde ein geschlossener Waldkorridor als Landbrücke den durch den ökologischen Druck nach Osten getriebenen Tieren mehr als 14.000 Hektar intakten Feuchtregenwald als Refugium bieten. Da einige Flächen jedoch schon als Weideflächen genutzt wurden, musste auch eine Wiederaufforstung der bereits gerodeten Flächen erfolgen.

Für den Aufkauf der etwa 1.700 Hektar großen Gesamtfläche des ursprünglich angestrebten Korridors mit einer Länge von ca. 33 km und einer Breite von ca. 0,5 km war gemäß einer vorsichtigen Schätzung insgesamt etwa eine Millionen US$ aufzubringen. Die Fläche musste hierbei Stück für Stück im Wettbewerb mit konkurrierenden Wirtschaftsunternehmen aufgekauft und anschließend unter Schutz gestellt werden. Sich an die Erfolge bei der Errichtung des „Ewigen Waldes der Kinder“ in den 80er Jahren erinnernd, wandte sich Prof. Dan Janzen an das „Internationale Kinderregenwald Netzwerk“ mit der Bitte um finanzielle Unterstützung seines Vorhabens. Der Kinderregenwald-Verein in Schweden kam dieser Bitte nach und überwies im Dezember 1993 eine erste Spende in Höhe von 200.000 US$. Noch im selben Monat beteiligte sich der Verein „Kinderregenwald Deutschland e.V.“ mit 30.000 US$.

Ende 1999 konnte die „Internationale Brücke der Kinder“ mit nunmehr einer Landfläche von 2.786 Hektar fertig gestellt und in das ACG eingegliedert werden. Für die Landkäufe inklusive des Waldkorridors mussten insgesamt 1.478.990 US$ aufgebracht werden. Vom „Internationale Kinderregenwald Netzwerk“ wurden davon 743.000 US$ beigetragen (50,2%), inklusive eines Beitrags von 81.000 US$ des Kinderregenwald-Vereins in Deutschland. Weitere große Geldbeträge steuerten zwei US-amerikanische Stiftungen bei, die „Wege Foundation“ und die „National Wildlife Federation“.

Aktuelle Projekte und Tätigkeiten:

Die costaricanische Nationalpark-Verwaltung finanziert aus ihrem Budget die laufende Unterhaltung des ACG und bürgt somit für seine dauerhafte Sicherung.

Eine Eingliederung der feuchten und kühlen Regenwälder von Rincón, die sich im Nordosten des ACG, östlich der „Internationalen Brücke der Kinder“ und nördlich des Nationalparks „Rincón de la Vieja“ befinden, würde zur endgültigen Etablierung des ACG beitragen. Da die Rincón-Wälder eine lange, gemeinsame Grenze mit dem bestehenden ACG haben, entschlossen sich Prof. Janzen und die beteiligten Organisationen, nochmals eine große Spendensammelaktion zu starten, um diese Flächen in das ACG eingliedern zu können. Der sehr ehrgeizige Plan sieht die Eingliederung von weiteren 5.700 Hektar Regenwaldfläche vor, die nun sukzessive erworben werden.


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