Der „Erste Internationale Kinderregenwald“

Projektgebiet:

Der „Ewige Wald der Kinder“ (span. „Bosque Eterno de los Niños (BEN)“) liegt nahe der Kleinstadt Monteverde im Nordwesten von Costa Rica.

Der „Ewige Wald der Kinder“ überbrückt mit seiner heutigen Fläche die Kontinentalscheide, indem er sich von etwa 600 m Meereshöhe an der karibischen Seite über seine höchste Erhebung in etwa 1.800 m Höhe bis hinunter auf etwa 900 m an der Pazifikseite erstreckt. Die klimatischen Verhältnisse im mittleren Zentralamerika sind einem stetigen Wandel unterworfen, so auch dessen Pflanzen- und Tierwelt. Sechs der zwölf Klimazonen von Costa Rica sind im BEN anzutreffen. Dies ist auch der Grund, weshalb der BEN eines der artenreichsten Naturreservate der Erde ist, vergleichbar mit dem Nationalpark „Manú“ in Peru. Er beheimatet beispielsweise 440 (=5%) aller weltweit bekannten Vogelarten, 60 (=6,5%) aller Fledermausarten, 700 (=3,5%) aller Schmetterlingsarten, 360 (=3%) aller Farnarten und 100 (=2,5%) aller Säugetierarten. Im März 2014 wurde erstmals wieder die Anwesenheit eines Jaguars im BEN mit Hilfe einer Fotofalle dokumentiert. Der BEN sichert durch seine Wasserführung die Versorgung Dutzender benachbarter Gemeinden und Farmen mit klarem Wasser und liefert etwa ein Drittel des Stroms für ganz Costa Rica.

Mit einer Fläche von 22.600 Hektar ist der „Ewige Wald der Kinder“ das größte private Naturschutzgebiet in Costa Rica, wobei eine ständige Vergrößerung angestrebt wird. Seit September 2007 ist der BEN außerdem Bestandteil des UNESCO-Biosphärenreservats „Water and Peace“, welches insgesamt eine Fläche von 916.120 Hektar besitzt.

Entstehungsgeschichte:

Der BEN wurde von der „Asociación Conservacionista de Monteverde (ACM)“ gegründet. Die ACM ist eine gemeinnützige, costa-ricanische Naturschutzorganisation, die von Bob Law in Monteverde ins Leben gerufen wurde und sich für den nachhaltigen Schutz des tropischen Regenwaldes einsetzt. Seine Entstehung verdankt der BEN Kindern, die im Jahr 1987 nach einem Vortrag des ACM-Gründungsmitgliedes Sharon Kinsman in der Klasse von Eha Kern in Schweden Geld sammelten, um tropischen Regenwald zu schützen. Nach der Gründung des Vereins „Kinderregenwald Deutschland e.V.“ im November 1990 überwies der Verein noch im gleichen Jahr eine erste Spende über 6.590 US$ nach Monteverde. Heute beteiligen sich Kinder, Erwachsene, Schulen und anderen Organisationen aus 44 Ländern an Spendensammelaktionen zur Vergrößerung und Erhaltung des „Ewigen Waldes der Kinder“. Dieser wird seither als unser „Erster Internationaler Kinderregenwald“ geführt.

Im Jahr 1988 vermachten Ken und Irma Scudder ihre Farm der ACM. Diese bildete den Grundstein für das Reservat „Bajo del Tigre“ nahe des BEN. Das Reservat hat eine Fläche von 29 Hektar und besitzt ein Besucher-Informationszentrum sowie ein Kinderhaus. Im Jahr 1993 wurde zudem die nahe gelegene Farm „Finca Steller“ erworben. Hier befindet sich nun ein Ausbildungszentrum, ein Kinderhaus mit einem Klassenraum sowie drei Baumschulen, in denen einheimische Bäume zur Wiederaufforstung von Weideflächen kultiviert werden. Mit Hilfe von Geldern des schwedischen Entwicklungshilfefonds und vieler privater Spender(innen) wurden von der ACM in den 90er Jahren zwei biologische Feldstationen im BEN aufgebaut. Die Station „San Gerardo“ und die vollständig neu aufgebaute Lodge „Poco Sol“ bieten jeweils etwa 30 relativ komfortable Übernachtungsmöglichkeiten für Universitätsgruppen und naturkundlich interessierte Reisegesellschaften, sowie für die bei der ACM angestellten Förster (engl. Ranger).

Aktuelle Projekte und Tätigkeiten:

Der BEN wird von der ACM verwaltet. Gegenwärtig richtet sich das Hauptaugenmerk der ACM auf die Konsolidierung der erworbenen Flächen und die damit verbundene Verwaltung. Im Jahr 2009 konnte u.a. die „Finca Santamaria“ mit einer Fläche von 112 Hektar erworben werden. Ranger kontrollieren auf ihren Streifgängen das Reservat und führen dabei zahlreiche Schutzaufgaben durch. Dazu gehört u.a. das Aufrechterhalten der Infrastruktur, insbesondere der Lehrpfade im und um das Reservat; das Aufstellen von Kamerafallen zur Erfassung der Tierwelt; die fachliche und logistische Unterstützung von Forschungsprojekten von Schülern und Studenten; und die Beratung und Information der Besucher.

In der eigens von der ACM errichteten Forschungsabteilung werden einheimische Baumarten auf ihre Eignung für lokale Wiederaufforstungen untersucht und die Auswirkungen der Zerstückelung von Waldgebieten auf das Vorkommen bestimmter Arten studiert. Solche Forschungen verbessern unser Verständnis für das Ökosystem Regenwald. Sein Funktionieren wird vor Ort auf Waldführungen erlebt und im Naturkundeunterricht der öffentlichen und privaten Schulen der umliegenden Gemeinden vermittelt. Dabei wird besonders darauf geachtet, dass die Jugendlichen zum Verständnis ökologischer Zusammenhänge motiviert werden und begreifen, dass sie „ihren“ Wald schützen müssen.

Eine weitere wichtige Einnahmequelle ist der Ökotourismus. Von etwa 7.000 Besuchern im Jahr 2013 besuchten 74% das Besucherzentrum im Reservat „Bajo del Tigre“, 11% bzw. 15% die Feldstationen „San Gerardo“ und „Poco Sol“. Weitere finanzielle Mittel werden aufgebracht durch z.B. den Verkauf von T-Shirts und Postern; der Teilnahme an staatlichen Forschungsprogrammen; der Unterstützung internationaler universitärer Forschungsprojekte; und Einzelspenden von Menschen, denen dieses Reservat ans Herz gewachsen ist.


Weitere Informationen: